
Artikel / Interviews
«Vertraut mit extremen Lebenslagen" – Zürichsee-Zeitung, 10. November 2009
Zuerichsee_091110.pdf
«Der Tod ist die intimste Form der Extase»
gudrun_orlet_interview.pdf
«Raum zum Nachdenken» – Kilchberger, 11. November 2009
Kilchberger_091111.pdf
Wie aufhören – das Ende als Anfang (25. November 2010)

Das Ende – ob jenes der Lehrveranstaltung(en) oder des Lebens – bedeutet immer auch Loslassen. Gleichzeitig geht dem Abschied ein Prozess der Reflexion voraus. Unser Gast Gudrun Orlet lebt mit viel Einfühlung, Schwung und Lebensbejahung in diesem Spannungsfeld: Sie arbeitet einerseits als Sterbenden- und Hinterbliebenenbegleiterin und andererseits als Dozentin.
Entscheiden Sie selbst nach Lesen des Epilogs, ob das gewagte Experiment, den Veranstaltungsabschluss mit dem Sterbeprozess eines Menschen zu vergleichen, gelungen ist.
Bücher
«Die Wurzeln beginnen zu blühen – Zeitgemäße Gedanken zum Tod»
KaMeRu Verlag, Zürich 2009 / ISBN: 978-3-906739-40-3
(zur Zeit vergriffen)
Aus dem Vorwort von Dr. med. Volker zur Linden:
„Das Sterben wird hier nicht als langsames Dahinsiechen geschildert, sondern als dynamisches Geschehen zwischen Sterbenden und Hinterbliebenen, letztendlich als eine Geburt in eine andere Dimension unter dem Gesichtspunkt, dass wir alle „Bürger zweier Welten“ sind (Karlfried Graf Dürckheim,1991). Zwar wird z. B. die Betroffenheit nach einem Todesfall sehr distanziert und systematisch gegliedert in Erst- und Folgereaktionen, trotzdem aber spürt man deutlich die darin enthaltenen verborgenen Eigenerlebnisse der Autorin. Dadurch bekommen die Schilderungen über ihren objektiven Inhalt hinaus einen glaubhaften, authentischen Charakter. Wer kann schon den kritischen Durchgang durch den Schmerzpunkt so überzeugend in seiner Doppelfunktion schildern, von der Zerstörung der eigenen Persönlichkeitsstruktur – „ich bin Schmerz“ -, bis zu der wiederbeginnenden kreativen Zuversicht und Erneuerung des Lebenswillens?
Der Text erhält seine lebendige Kraft aus den Darstellungen der realen und scheinbaren Antinomien, die allerdings für manche Leser heilsame Stolpersteine sein werden:
- der Tod ist gütig
- der Tod will leben, der Tod will Leben
- Sterbende wachsen über Lebende hinaus
- lebenskraftspendender Hinterbliebenenprozess
Aus den Schlussanmerkungen der Autorin:
«Die Ausführungen in diesem Buch basieren auf meinen persönlichen und beruflichen Erfahrungen, unterstützt durch die Fachliteratur vieler Autorinnen und Autoren.
Der Inhalt dieses Buches will als ein Anhaltspunkt und Wegweiser für das Verstehen der menschlichen Erlebensprozesse dienen. Denn neben aller Strukturierung und Erörterung können die wirklich empfundenen Gefühle nicht in Worte gefasst werden. Das „Wirkliche“ vollzieht sich im Inneren der Betroffenen und steht in enger Verbindung mit der individuellen Biografie. Die vielen Momente, Stunden, Tage und Wochen, die einen Menschen in kaum zu beschreibendes Erleben führen und auf das Äußerste fordern, verdienen meine höchste Achtung und Respekt.
Umso notwendiger ist es, dass die Einsamkeit der Erfahrungen, die Anforderungen und die Veränderungen, nicht auf die Einsamkeit in einer sozialen Gemeinschaft treffen, sondern eine grundlegende Anerkennung und Unterstützung erhalten.
Die Haltung und Einstellung jedes Einzelnen ist wichtig, um Rahmenbedingungen zu schaffen, welche den Sterbenden und den Hinterbliebenen ermöglichen, ihre Betroffenheit zu zeigen und sie geschützt zu wissen. Die Reifeprozesse der Betroffenen sind, sofern sie akzeptiert werden, wichtige Schritte auf den Weg, eine Gesellschaft menschlicher zu machen.
Die Erfahrung mit dem Verlust, mit dem Sterben und mit dem Tod bleibt – neben allen nachvollziehbaren Erfahrungen – ein Mysterium, das über das Persönliche hinausreicht. Trotzdem benötigt es auch eines persönlichen Einsatzes, um den Bereich zu offenbaren, in dem mit einer Form von Hingabe den unabänderlichen Geschehnissen begegnet werden kann. Möglicherweise wird dadurch eine neue Form der Geborgenheit in der persönlichen Einsamkeit der Erfahrung geschafft.“ (...)